Die besonderen Stärken der indischen Astrologie - www.astrovedic.de
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Die besonderen Stärken der indischen Astrologie

Der nachfolgende Beitrag stammt aus unserem 2. Rundbrief aus dem Frühjähr 2001, geschrieben von Gudrun Schellenbeck. Zu diesem Zeitpunkt haben wir erste Schritte unternommen, die vedische Astrologie im Westen bekannt zu machen und vorzustellen. Nach wie vor kann dieser Artikel einige der Stärken der vedischen Astrologie veranschaulichen.

 

Jetzt, nachdem ich mich bereits seit einiger Zeit sehr intensiv mit der indischen Astrologie auseinandersetze und mir viele ihrer Grundzüge bereits in Fleisch und Blut übergegangen sind, stellte ich mir noch einmal die Frage, die mich bereits von Anfang an beschäftigt. Worin liegen denn nun die Vorteile der Indischen Astrologie gegenüber der westlichen? Vor allem in der ersten Phase der Berührung mit der vedischen Astrologie versuchte ich immer wieder, deren Schwächen zu entdecken, um mich dann schnell wieder meiner so vertrauten psychologischen Astrologie zuzuwenden. An dieser Stelle möchte ich noch einmal die Punkte aufzeigen, die mich letztendlich dazu bewogen haben, die Stärken des vedischen Systems anzuerkennen.


Was für mich einer der gravierendsten Punkte war, war die Tatsache, daß ich bereits vor Erscheinen eines Klienten einen guten Eindruck davon habe, was dieser Mensch in seinem Leben angestrebt und auch erreicht hat. Während ich durch eine westlich-psychologische Analyse viel über die Potentiale und Wünsche eines Menschen wußte, von dem ich nur das Horoskop kannte, verrät mir das vedische Geburtsbild auch, ob dieser Mensch in der Lage war, seine Potentiale zu verwirklichen, zu manifestieren.


Anhand des 10. Hauses im Horoskop möchte ich dies näher erläutern. Wenn ich im westlichen Horoskop beispielsweise ein durch mehrere Planeten besetztes und somit betontes 10. Haus sah, war ich natürlich jedes Mal versucht, einen beruflich sehr erfolgreichen Menschen zu erwarten. Die Erfahrungen der ersten Jahre zeigten mir jedoch sehr schnell, daß zwischen dem Horoskop und der Realität mitunter eine tiefe Kluft entstehen kann. Sicherlich half es, die Aspekte der im 10. Haus plazierten Planeten und deren Gewichtung zu berücksichtigen, doch wirklich sicher war ich mir meiner Aussage im Hinblick auf die berufliche Leistung eines Menschen selten. Warum stellte Saturn beispielsweise in manchen Fällen eine sehr große Bremse dar, während er in anderen Lebensläufen für ein enormes Durchhaltevermögen stand. Warum war ein Mensch mit einer Widdersonne im 10. Haus fast gleichgültig seiner beruflichen Entwicklung gegenüber und schien sehr zufrieden mit einer Anstellung, die weit unterhalb seiner erreichbaren Grenze zu liegen schien? Teilweise fand ich nach langen Analysen die Gründe, manchmal, so muß ich gestehen, gelang es mir nicht, Licht in das Dunkel dieser Fragestellungen zu bringen.


Im Gegensatz dazu, war die Trefferquote in indischen Horoskopen von Anfang an unglaublich hoch. Wenn ich hier mehrere Planeten im 10. Haus vorfinde, stehen mir weitaus mehr Mittel zur Verfügung um einzuschätzen, ob der betreffende Mensch das hier ruhende Potential erfolgreich zum Einsatz bringen wird oder nicht. Es ist sogar möglich, einzuschätzen, wann die beruflich schwierigen und die erfolgreichen Phasen sein werden bzw. gewesen sind.


Einige der hier zur Verfügung stehenden Informationen möchte ich hier aufzählen:
1. Die Stellung des Planeten im Zeichen spielt eine wesentlich wichtigere Rolle als im westlichen System. Hier wird nicht nur beurteilt, ob ein Planet im eigenen Zeichen, im Zeichen seiner Erhöhung oder im Fall steht, was leider von vielen modernen westlichen Astrologen ohnehin mehr und mehr vernachlässigt wird und in vielen astrologischen Schulen überhaupt nicht mehr gelehrt wird. Zusätzlich zu den bereits genannten Kriterien steht den indischen Astrologen noch eine weitere unterstützende Struktur zur Verfügung: Die Planeten bilden untereinander permanente und temporäre Freund- und Feindschaften, was eindeutig die Stärke des jeweiligen Planeten beeinflußt. So kann ich im Beispiel des 10. Hauses anhand der Stellung der hier befindlichen Planeten im Zeichen bereits eine erste Aussage wagen um abzuschätzen, inwieweit die Entfaltung der Energien des jeweiligen Planeten erfolgreich verlaufen wird oder nicht.


2. Jeder Planet trägt als Herrscher über eines oder mehrere Häuser des Tierkreises dessen Energien in das 10. Haus. Diese Aussage scheint nicht besonders spektakulär zu sein - eine Auseinandersetzung mit dem traditionellen Herrschersystem des Westens besagt nichts anderes. Das Besondere in der Vedischen Astrologie liegt jedoch darin, daß bereits die Häuser schon klassifiziert werden und von daher schon eine besser einschätzbare Komponente vorhanden ist. Das 3., 6., 10. Und 11. Haus werden beispielsweise als Upachaya Häuser eingestuft. Dies sind Häuser des Wachstums und ihre Themen werden im Laufe des Lebens immer leichter beherrschbar, nach der Überwindung anfänglicher Schwierigkeiten und durch ein gewisses Training, das konkret in der Auseinandersetzung mit eben diesen Schwierigkeiten besteht. Wenn nun Planeten im 10. Haus angesiedelt sind, die Herrscher über diese Upachaya Häuser sind, so kann man davon ausgehen, daß die Qualitäten der schwierigen Upachaya Häuser auch das berufliche Entwicklung eines Menschen entsprechend erschweren oder -besser gesagt- zeitlich verzögern. Sie wecken gleichzeitig jedoch auch eine enorme Energie in einem Menschen. Noch schwieriger wird es jedoch, wenn der Herrscher eines Dushtana Hauses (6, 8 und 12) sich im 10. Haus befindet oder wenn sich gar zwei Herrscher dieser Häuser hier treffen. Befindet sich beispielsweise in einem Horoskop mit einem Jungfrau-Aszendenten Mars im 10 Haus, so kann dies nicht von vornherein als ein Hinweis auf eine erfolgreiche Karriere gewertet werden. Zwar repräsentiert Mars, ebenso wie im westlichen System Energie und Kraft. Hier bringt er jedoch als Herrscher des 3. und des 6. Hauses ein erhebliches Maß an schwierigen Energien mit sich und befindet sich noch dazu im Zeichen Merkurs, eines Feindes. Seine Entfaltungsmöglichkeiten sind hier eindeutig reduziert und mit Hindernissen versehen. Im Gegensatz dazu weist die Anwesenheit des Herrschers des 1., des 5. oder des 9. Hauses grundsätzlich auf die positive Entfaltungsmöglichkeiten des Horoskopeigners im beruflichen Bereich hin.


3. Auch die Aspekte anderer Planeten zu den "Bewohnern" des 10. Hauses eines Horoskops werden klassifiziert. Für jeden Aszendenten spielt jeder Planet eine besondere Rolle. Der Herrscher des Aszendenten wird beispielsweise immer zu einem wichtigen und günstigen Planeten für das jeweilige Horoskop und erhält somit die Bezeichnung "Benefic" (Wohltäter). Für einen Jungfrau Aszendenten wären die Benefics beispielsweise Merkur und Venus, die Malefics Mars, Jupiter und der Mond. Saturn und die Sonne erhalten den Status "Neutral". Wird nun ein Planet im 10. Haus von einem sog. Malefic aspektiert, kann man davon ausgehen, daß die Entfaltung des jeweiligen Prinzips hierdurch geschwächt wird. Erhält er jedoch den Aspekt eines Benefics, wird er gefördert, gestärkt oder unterstützt durch diesen Kontakt.


4. Yogas, planetare Verbindungen bzw. Verknüpfung astrologischer Faktoren, können eine bedeutende Stärke in ein Horoskop hineinbringen. Befinden sich im 10. Haus beispielsweise die Herrscher eines Kendrahauses (1,4,7,10) und eines Trikonahauses (1,5,9), so bilden sie ein Raja Yoga und fördern somit die Belange des Hauses. Ein vorhandenes Yoga wird dann zusätzlich in Bezug auf die Stärke der Planeten untersucht und kann so in seiner Wirkung recht gut eingeschätzt werden (siehe Punkt 5).


5. Verschiedene, sehr komplizierte Punktesysteme erlauben einem Jyotishi zusätzlich die Berechnung der Stärke eines Planeten (Shad Bala) bzw. der Stärke eines Hauses (Ashtaka Varga). Die hier erzielten Ergebnisse helfen, die Wirkung und Entfaltung eines Planeten im jeweiligen Haus besser einschätzen zu können.


6. Die Auslösung der jeweiligen Planeten in den sogenannten Dasa-Phasen ermöglicht nun eine Einschätzung, ob die im beruflichen Bereich angelegten Wünsche und Möglichkeiten umgesetzt werden können. Die Dasa-Sequenz hängt vom Stand des Mondes im Nakshatra ab und ist berechenbar für die gesamte Lebensdauer eines Menschen. Wird nun der Herrscher eines gut besetzten 10. Hauses oder ein Planet, der das 10. Haus aspektiert ausgelöst in einer Phase, in der der Mensch diese durchaus erfolgreich beruflich nutzen kann, beispielsweise im Alter zwischen 30 und 50, so kann man, unter Berücksichtigung anderer Faktoren durchaus davon ausgehen, daß der Mensch entsprechend ehrgeizig und erfolgreich sein wird.


Durch das Beispiel des 10. Hauses habe ich versucht, deutlich zu machen, welche Instrumente und Informationen einem Jyotishi zur Verfügung stehen, wenn er versucht, einen bestimmten Lebensbereich unter die Lupe zu nehmen und eine Einschätzung in Bezug auf die Verwirklichungsmöglichkeiten eines Menschen vornehmen zu können. Selbstverständlich habe ich aus der Fülle der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nur einen Bruchteil aufgezählt, die Liste könnte noch sehr viel länger werden. Ich habe bewußt die Kriterien des Erfolges und der Anerkennung des Erfolges gewählt, ohne andere Verwirklichungsmöglichkeiten dadurch geringschätzen zu wollen. Die Anwesenheit eines Dushtana-Herrschers im 10. Haus kann beispielsweise auf einen Menschen hindeuten, dessen Karriere keineswegs steil und spektakulär verläuft, der jedoch in seine spirituelle Themen einfließen läßt und der viel Energie aufbringt, um sich mit kranken Menschen oder den sogenannten Randgruppen der Bevölkerung auseinanderzusetzen, ihnen zu helfen. Auch diese Themen werden sichtbar und so kann das vedische Geburtsbild durchaus genutzt werden, nicht nur um den beruflichen Werdegang einzuschätzen, sondern auch, um einem Suchenden zu helfen, seine Berufung und Bestimmung zu finden.

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